Die Zukunft beginnt jetzt.

Das Projekt FUTURE.LAB Schule 2030 startet im Kulturzentrum Bessunger Knabenschule in Darmstadt

Fragen stellen

Zukunft Schule – ein Widerspruch? Beginnt die Zukunft nicht eher erst NACH der Schule? Ist Schule nicht der Ort, von dem man im Rückblick ein paar schöne und eine Menge unschöner Erfahrungen in Erinnerung behält? Haben wir das Gefühl, dass Schule uns auf das vorbereitet, was unser Leben danach sein wird? Und verbringen wir nicht unfassbar viel Zeit dort? Lernen wir mit den manchmal niederschmetternden Bewertungen umzugehen?
Wo würden wir sonst unsere Freunde treffen? Was lernen wir in der Schule? Was vom Erlernten bleibt in unseren Köpfen und Herzen zur weiteren Nutzung? Haben die Lehrer*innen im Blick, wer wir sind und wer wir einmal sein können? Wissen sie, dass sich ihr Verhalten uns gegenüber auf unser zukünftiges Sein auswirkt? Sind sie sich dessen bewusst?
Was ist Erziehung und wo beginnt Freude an Veränderung und Entwicklung? Wer bin ich und wer will ich in Zukunft sein? Welchen Einfluss hat Schule darauf?

Raum schaffen

Das FUTURE.LAB will einen Raum öffnen, um über die Schule der Zukunft nachzudenken, Fragen zu stellen, Grenzen aufzubrechen und neue zu definieren. Und das Besondere ist, dass das hier ALLE gemeinsam tun: Schüler*innen, Lehrer*innen, Schulamtsmitarbeiter*innen, Künstler*innen und der Bürgermeister.

Viele Entscheidungsträger an Bord.

Fünf Schulen aus der Stadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg werden in den kommenden Wochen ihre Ideen zu einer Schule der Zukunft konkretisieren und auf unterschiedlichste Weise verfolgen:
Tanz, Theater, Medien, Kunst bieten die Arbeitsgrundlage für eine kreative Auseinandersetzung. Die Ergebnisse: Zu diesem Zeitpunkt noch ganz wunderbar offen.

10 – 9 – 8 – …

Am 3. September startet die Versuchsanordnung. Von 4. Klässler*innen bis zu erwachsenen Berufsschüler*innen nehmen die über 100 Teilnehmenden an den Rändern der Sporthalle Platz. Der Raum in der Mitte bleibt symbolisch frei: Hier darf experimentiert und präsentiert werden.

Die Projektleiterinnen und Initiatorinnen Sina Kuhlins, Simone Neuroth und Nicole Lotzkat heißen willkommen; der Bürgermeister begrüßt angenehm salopp, der Leiter des staatlichen Schulamtes Herr von Kymmel zeigt große Offenheit und macht damit Mut. Das Projekt kann beginnen.

Was finden wir im Labor?

Die Schulen stellen sich vor. Die Goetheschule singt für alle den Schulsong und die Brecht Schule rappt: „Bist du echt, geh zur Brecht …“. Die Wilhelm-Leuschner Schule baut künstlerische Body-Builder:

Kreis, Vorschläge gesammelt, schien uns alles kompliziert. Mein Vorschlag: wir machen ja dann Tanz und irgendwie Kunst, also nutzen wir den Körper. Idee: die drei Initialen der WLS als Standbilder. Alle sollten beteiligt sein, Doppelung der Buchstaben war möglich. Viel Spaß beim Erarbeiten und Zeigen. Ein Schüler übernahm die Parolen: „Wilhelm-Leuschner-Schule!“

Sibylle

Und die Landrat-Gruber-Schule aus Dieburg findet witzige Neudefinitionen zu ihrem Schulkürzel: LGS. Die Erich-Kästner Schule bildet eine lange, bewegliche Körperschlange mitten durch den Raum.

Die Mitarbeiter*innen des Schulamts haben einen symbolische Koffer dabei: da ist von ihrer Seite schon eine ganze Menge drinnen, was Schule entwickeln hilft. Aber sie sind als Neugierige im FUTURE.LAB, um auch Ideen und Wünsche und Ziele der Schüler*innen in den Koffer hineingepackt zu bekommen.

Schule muss sein!

Überraschungen gibt es bei den Soziogrammen: Auf die Frage, ob Schule abgeschafft werden solle, positionieren sich fast ausnahmslos alle anwesenden Schüler*innen auf der „Nicht Gut“-Seite des Raums. Eine positive Grundlage, um über Veränderungsmöglichkeiten zu diskutieren und zu forschen!

Raus aus der Komfortzone

Die erste Arbeitsphase an diesem Tag findet in neu zusammengewürfelten Gruppen unter Anleitung der Künstler*innen statt. Sibylle tanzt, Nadja leitet Theater an, Peter ist Medienpädagoge, Ina macht Materialkunst und Emma gibt Denkanstöße, um ein Zukunftsmagazin zu schreiben, collagieren, zeichnen. Zwei Schreibmaschinen liefern den Soundtrack zur Gedanken- und Handarbeit.

In meinem Workshop hatten die Schüler*innen eine knappe Stunde Zeit, mit Schere, Kleber und Schreibmaschine bewaffnet ihre Version einer „Superschule“ zu entwerfen. Die Sorge, wie ich es wohl schaffe die verschiedenen Schüler*innen zu begeistern innerhalb kürzester Zeit zusammen ein Mini-Magazine zu erarbeiten, löst sich nach wenigen Minuten in Luft auf: Alle haben Ideen, Vorstellungen und unglaublich viel Spaß daran, sich außerhalb von Tafel und Schulbank auszuprobieren und mitzugestalten.

Emma Neuroth, Workshopleiterin

Eine Stunde lang gehen die Gruppen der Grundfragen nach Veränderungsmöglichkeiten in Schule nach. Sibylle arbeitet mit dem Negativbild von einer Traumschule und leitete eine Gruppe mit 12 Schüler*innen in 60 min zu einer Miniperformance zum Thema „Horrorvision Schule“ an.

Zunächst kommen die Teilnehmer*innen in einem Spiel in Bewegung: der Name wird genannt und eine Bewegung gemacht. Manche waren sehr offen, manche dankbar für Unterstützung beim Entwickeln der eigenen Bewegung. Ein Hinweis, „Guck, da hast du doch schon eine Bewegung gemacht!“, genügte oft.

Die Schüler*innen sammelten Themen: Schule als Ort, Essen, Atmosphäre, Unterrichtende, Gefühle. Die Zeit war sehr knapp. Schließlich wurde nach der sehr guten Zusammenarbeit die Ergebnisse abschließend in einer körperlichen Geisterbahn vor dem ganzen Plenum präsentiert.

Pause muss sein

Das vegetarische Restaurant Tibits hat für alle einen extrem leckeren Kebab gestiftet. Herzlichen Dank dafür!

Eine Stunde in der Sonne sitzen, reden oder spielen – je nach Altersstufe. Dann geht es in die zweite Arbeitsphase, die eine Vorbereitung auf die weitere Zusammenarbeit der Kooperationspartner Schule-Künstler*in sind. Termine werden geklärt, Fragen beantwortet – die Forschungsreise nimmt Fahrt auf, die Knabenschule zu verlassen und in mehreren Himmelsrichtungen weiter zu arbeiten.

Wie werden wir arbeiten? Und welche Fragen wollen wir im Projekt bearbeiten?

Die Schüler*innen der WLS, und vermutlich nicht nur sie, sind nach der Mittagspause müde. Sibylle versucht sie durch paarweises Schieben Hand/Hände, Schulter/Schulter, Rücken/Rücken zu aktivieren. Der Raum füllt sich mit viel Spaß an der Bewegung. Im Kreis entsteht ein Rhythmus in den Füßen. Der Rhythmus läuft als Impuls durch den Kreis , nach jeder Runde werden die Knie weiter angehoben bis zum Sprung/Sprung. Die meisten sind mit Engagement dabei.

Das sieht aus wie Breakdance oder Insekten …

Die Teilnehmer*innen werden gebeten durch den Raum zu gehen und so viel Platz einzunehmen wie möglich ohne sich zu berühren, auch die unteren Raumebenen sollen genutzt werden. Im Sitzen wird das Gleiche. Die Stimmung ist gelöst. Von Wand zu Wand: Stop & Go in 4er Gruppen mit je 4-3-2-1 Kontakt zum Boden.

Im Anschluss wird im Kreis sitzend Fragen und Themen gesammelt: Was von dem, was wir heute gesehen und gehört haben, würdet Ihr gerne näher beleuchten? Was sonst noch? Es stellt sich heraus, dass die Schüler*innen sich ganz konkret mit ihrer Schule als Ort beschäftigen wollen, weniger mit dem System Schule.

„Wie sollten dann z. B. die optimalen Lehrer*innen reagieren, wenn ihr so müde seid wie jetzt und es aber noch was zu tun gibt?“ Viele Vorschläge für eine immer verständnisvolle Lehrer*in, evtl. auch Roboter, aber auch „Wir sollten uns zusammennehmen“

Und dann der Schock: die Arbeitszeit ist schon vorbei. Plötzlich kommen die Gedanken:

Wir hätten ganz einfach nur den Zeitplan und den Einstieg ins Thema besprechen sollen, damit die Sätze „Wir hoffen…/Wir freuen uns auf…“ einen Sinn ergeben. Aber zufrieden, dass ich gesehen habe, welche von ihnen Lust auf Bewegung haben (viele!) und dass Körperkontakt möglich ist und was sie zum Thema Schule gerade beschäftigt.

Sibylle

Wir freuen uns auf … unsere nächsten Schritte sind … hoffentlich …

Im Raum „Teestube“ ist in dieser Arbeitsphase nichts bequem oder gar beschaulich. Hier schmieden die LGS-Schüler*innen revolutionäre Ideen für Veränderungen. Es herrscht Aufbruchstimmung. Die Forschungsreise kann beginnen. Simone Neuroth spricht von vielen Puzzleteilchen, die eine Vision ergeben.
Und ein Schüler spricht ins Mikrophon: „Wir hoffen, dass unsere Hoffnungen hoffentlich in Erfüllung gehen.“ Lauter Jubel und Gelächter bestätigen diesen Wunsch.

Der Grundstein ist gelegt. Was jetzt weiter passiert, entscheiden alle gemeinsam in ihren jeweiligen Laboren.

Möge es ein großer, bunter und zukunftsweisender Koffer werden, den die Verantwortlichen am Ende öffnen.