Wie tanze ich eine Cafeteria?

Ab 8:00 Uhr ist das HoffArt Theater geöffnet  und die Schüler*innen trudeln gut gelaunt und hungrig ein. Viele haben noch nicht gefrühstückt. Wir schmieren Brötchen. Alle sitzen gemeinsam um den Küchentisch und bereiten während des Frühstücks ihr Pausenspiel  `Wahrheit oder Pflicht` vor. Es ist schön zu beobachten, wie in so kurzer Zeit eine enge Gemeinschaft entstanden ist. Wir versammeln uns in einem Sitzkreis und Sibylle Magel stellt den Ablauf des Vormittags vor. Die Schüler*innen sind besorgt, dass die Zuschauer*innen nicht verstehen, welche Themen sie mit Tanz ausdrücken möchten oder dass ihre Tanzbilder bis zur Präsentation nicht fertig werden.

Wir spielen Mutprobe.

Sibylle erklärt uns, dass es zum Prozess dazu gehört, nicht zu wissen, wie das Ergebnis aussieht.  Es ist für die Schüler*innen eine ganz neue Erfahrung: Themen über Bewegung –Tanz auszudrücken und ihnen fehlt die Sicherheit über die Wirkung Ihrer Bewegungsbilder auf die Zuschauer*innen. Wir bräuchten an sich mehr Zeit für die Projektphase. Gleichzeitig ist die Gruppe beruhigt und wir beginnen mit einem Warm up. Wir spielen Mutprobe. Eine Person lässt sich fallen – die anderen fangen sie auf. Wir erweitern das Spiel auf die Gesamtgruppe und sind erfolgreich. Wir fassen Vertrauen zueinander. Die Stimmung ist gut. Heute arbeiten wir am Thema  Traumschule und die Schüler*innen versuchen, ihre Wünsche und Vorstellungen für die Schule der Zukunft im Rahmen eines Speed-Datings herauszufinden. Zwei Minuten reden – ohne Unterbrechung. Was sind deine Wünsche für die Schule 2030? Ein lautes, energiegeladenes Stimmengewirr setzt ein und ich kann bei einem Speed-Dating lauschen:

„Sich gegenseitig helfen, farbenfrohe, große Räume, damit wir gut denken können, dunkle Farben sind einengend, dass die Schule Spaß machen sollte, dass das Lernen mehr mit Musik und Tanz zu tun hat, dass wir nicht so viele Hausaufgaben aufhaben, dass wir größere Pausenräume haben, überhaupt Pausenräume haben, das wir nette Lehrer haben, obwohl die meisten schon nett sind, dass es keine Prügeleien mehr geben soll, Getränkeautomaten, dass es auf den Pausenhöfen mehr Sportgeräte gibt, nicht nur in der Sporthalle, die ordentlich benutzt und wieder zurück getan werden, wir haben eine  Hängematte und wir können mehr von diesen Geräten haben, einen Spielplatz für die 5.Klässler, mehr Pflanzen, die gepflegt werden, kein Müll auf den Pausenhöfen, überall kein Müll…..“

Özlem

„Und jetzt stopp“

„Dass man in der Schule nur für das arbeitet, was man später werden möchte z.B., wenn jemand etwas mit Sport zu tun haben möchte, geht er zu einem bestimmten Projekt und besucht dies die ganze Zeit und wird so für seine Zukunft vorbereitet, dann hat jeder seinen eigenen Spaß, dass es mehr neue WPU Kurse gibt, das wäre schön, da es immer die gleichen sind, mehr Fremdsprachen, das wäre auch schön, dass es größere Räume gibt, wir haben sehr viele volle Klassen, dass weniger Kinder in einer Klasse sind, weil die Lehrer sonst keine Kontrolle über die Kinder haben, dass jeder sozial ist, dass jeder jedem hilft, dass wir gut miteinander umgehen können, denn wenn wir nicht gut miteinander umgehen können, kann man nicht miteinander arbeiten, jeder sollte sich mit jedem gut verstehen, dass die Pausen länger sind, 15 Minuten sind zu wenig, genau wenn der Spaß anfängt – hört die Pause auf, dass die 5 Minuten Pausen 10 Minuten Pausen werden, weil wir eine Stunde sitzen und dann nur 5 Minuten aufstehen können, das ist zu wenig, und dass man im Unterricht mehr lernt, man lernt in letzter Zeit zu wenig, finde ich für die 8. Klasse, dass man gar keine Hausaufgaben aufbekommt, dass die Schule ein bisschen länger geht und wir dafür keine Hausaufgaben aufbekommen, weil zu Hause möchte man seinen Ruhe haben und dann muss man sich nochmal eine Stunde hinsetzen und Hausaufgaben machen….. „

Alaz

„Und jetzt stopp.“…

Die Gruppe setzt sich mit geschlossenen Augen Rücken an Rücken und die Schüler*innen können das Gehörte noch einmal auf sich wirken lassen.

Räume, Menschen, Methoden/Werkzeuge, Unterricht sind unsere Überschriften.

In diese vier Kategorien tragen die Schüler*innen ihre Anliegen ein und wir besprechen die gesammelten Wünsche. Es entstehen lebhafte Diskussionen: Räume sind ihnen wichtig, schöne, große Räume, in denen sie sich wohlfühlen und  die sie immer nutzen können. Ein aktiver Unterricht, mehr Experimente und Projekte mit Möglichkeiten, die eigenen Fragestellungen zu beantworten – sie nennen es „einen Spaß habenden Unterricht“. Sie möchten mit Tablets arbeiten, weil sie hoffen, dass dies die Lernzugänge für den Unterricht erweitert. Das soziale Miteinander, ist ihnen wichtig. Ein wertschätzender Umgang von allen Menschen in der Schulgemeinschaft. … und diese Wünsche setzen wir in Bewegung um. Jede(r) denkt sich einen eigenen Move aus und tanzt ihn der Gruppe vor. Die Schüler*innen verbinden ihre individuellen Tanzstücke zu Gruppenbildern mit vier Personen. Sie bringen sich gegenseitig ihre Bewegungsfolgen bei und verbinden sie nach ihren Vorstellungen. Die Prozesse erfordern viel Konzentration und Energie. Die Zeit vergeht viel zu schnell. Erschöpft und gut gelaunt essen wir noch gemeinsam zu Mittag – treffen uns zum Abschlusskreis und sind gespannt auf unseren 3. Projekttag.

Nicole Lotzkat